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End-of-Waste-Regelung für Paper for Recycling: Warum eine Neubewertung überfällig ist

Die Ausgangslage ist eindeutig: Paper for Recycling funktioniert seit Jahrzehnten außergewöhnlich gut – insbesondere im gewerblichen und industriellen Bereich.
Recyclingquoten von annähernd 85 % und in einigen Ländern von deutlich über 90 % belegen, dass sich in Europa ein leistungsfähiges und belastbares Recyclingsystem etabliert hat. Die europäische Papierindustrie und die Entsorgungswirtschaft haben gemeinsam einen Markt geschaffen, in dem Angebot und Nachfrage seit Langem ineinandergreifen.
Genau darin liegt jedoch der zentrale Konflikt. Die bestehende Abfallgesetzgebung verfolgt wichtige Ziele: Sie schützt Umwelt und Gesundheit, schont Ressourcen und schafft den rechtlichen Rahmen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Für viele Abfallströme ist diese Regulierung unverzichtbar. Bei Paper for Recycling wird jedoch zunehmend argumentiert, dass dieselben bürokratischen Anforderungen eher bremsend als schützend wirken. Ein Stoffstrom, der über etablierte Qualitätsstandards, funktionierende Absatzmärkte und erprobte industrielle Verwertungswege verfügt, sollte nicht denselben administrativen Lasten unterliegen wie Abfälle mit erhöhtem Überwachungsbedarf.
Dass die Debatte gerade jetzt neue Dynamik gewinnt, hängt wesentlich mit der Einführung von DIWASS zusammen. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie hoch der Abstimmungsaufwand für neue Dokumentations- und Überwachungsprozesse ist. Fachleute aus Entsorgungswirtschaft, Papierindustrie, Logistik und IT haben erhebliche Ressourcen in die Umsetzung investiert. DIWASS mag für jene Abfälle sinnvoll sein, die mit der Erfüllung von Reyclingquoten Herausforderungen haben, problematisch in der Aufbereitung sind oder für die es keine nachhaltigen Märkte gibt. Für Paper for Recycling stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Aufwand sachlich gerechtfertigt ist – oder ob eine End-of-Waste-Regelung der deutlich konsequentere und effizientere Ansatz wäre.
Voraussetzung für einen solchen Schritt wäre, dass Paper for Recycling definierte Qualitätsanforderungen erfüllt und einen nachvollziehbaren auditierten Qualitätssicherungsprozess durchläuft. In diesem Zusammenhang wird insbesondere auf die Qualitäten der Gruppen 1 bis 4 nach EN 643 verwiesen, die bei entsprechender Sortierung und/oder Qualitätssicherung das End-of-Waste-Kriterium erfüllen könnten. Die dafür maßgeblichen Anforderungen sind grundsätzlich bekannt: Das Material muss für einen konkreten Verwendungszweck in der Papierindustrie bestimmt sein, es muss ein Markt dafür bestehen, es müssen Qualitätskriterien vorliegen, und seine Nutzung darf keine größeren Umweltauswirkungen verursachen als die Verwendung eines vergleichbaren Primärrohstoffs.
Die möglichen Vorteile einer End-of-Waste-Regelung liegen auf der Hand.
Lieferketten könnten sich stärker an Marktmechanismen orientieren, administrative Prozesse würden deutlich reduziert, und die Organisation von Lagerung und Transport könnte vereinfacht werden – selbstverständlich unter Beibehaltung notwendiger Sicherheitsanforderungen, etwa im Brandschutz. Gerade im europäischen Binnenmarkt, in dem der freie Warenverkehr ein zentrales Prinzip ist, könnte eine solche Vereinfachung erhebliche Effizienzgewinne bringen.
Dass ein solcher Ansatz praktikabel ist, zeigen bestehende Regelungen für andere Stoffströme bereits heute.
Auf europäischer Ebene existieren End-of-Waste-Regelungen unter anderem für Stahlschrott, Kupfer und Glas. Auch für Paper for Recycling gibt es mit Italien ein häufig genanntes nationales Beispiel. Dort wurde eine Regelung geschaffen, die in der Branche als belastbarer Referenzrahmen gilt. Nach Angaben aus dem Marktumfeld wurden seit ihrer Einführung keine negativen Auswirkungen festgestellt; gleichzeitig werden die hohen Recyclingquoten als Hinweis darauf gewertet, dass regulatorische Klarheit und praktische Effizienz einander nicht ausschließen.
Die Diskussion um End-of-Waste für Paper for Recycling ist damit mehr als eine technische Regulierungsfrage.
Sie berührt den Kern der europäischen Kreislaufwirtschaft: Wie lassen sich Umweltstandards, Ressourceneffizienz und wirtschaftliche Praktikabilität sinnvoll miteinander verbinden? Aus Sicht vieler Akteure in der Branche ist die Antwort klar. Wo Märkte funktionieren, Qualitätsstandards etabliert sind und ökologische Risiken beherrschbar bleiben, sollte Regulierung ermöglichen statt hindern. Für Paper for Recycling könnte genau jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sein, diese Konsequenz auch rechtlich zu ziehen.
